Neues aus der Pioniertruppe
Tour d’Horizon von Brigadegeneral Christian Friedl
22 Teilnehmer durfte unser 1. Vorsitzender, Oberstleutnant a.D. Peter Metzger, am Donnerstag, dem 26. Februar zum Vortrag des Generals der Pioniertruppe und Kommandeurs der Pionierschule, Brigadegeneral Christian Friedl, begrüßen. Unter den Anwesenden war neben 3 ehemaligen Bataillonskommandeuren am Standort Ingolstadt auch Brigadegeneral a.D. Wolfgang Krippl, einer der Vorgänger von Christian Friedl und Mitglied unserer Kameradschaft.
Peter Metzger stellte die kritische Eingangsfrage danach, ob denn die politisch verkündete Zeitenwende auch an der Pionierschule angekommen sei. Diese Frage griff Brigadegeneral Friedl sofort zu Beginn seines Vortrags auf und beantwortete diese mit einem klaren: „Wir sind mittedrin, mittendrin!“.

Im Weiteren ging er auf folgende Aspekte ein:
- Neuerungen Strukturen
- Neuerungen Ausbildung
- Aufwuchs
- Aspekte der Weiterentwicklung
Zur Zukunft könne er noch nicht viel sagen, stellte er voran. Bekanntermaßen soll die Bundeswehr um rund 75.000 Soldaten und Soldatinnen, von 185.000 auf 260.000, aufwachsen. Wie diese zusätzlichen Dienstposten aber verteilt würden, wie viele das Heer bekommen werde und wie viele davon dann die Pioniertruppe, das stehe noch nicht fest. Diese Planungen sind noch im Prozess. Da u.a. Artillerie und Flugabwehr stark aufwachsen bzw. neu aufgestellt werden sollen, muss abgewartet werden, was im Heer dann für eine personelle Verstärkung der Pioniertruppe bleibt.
Er stellte in Kürze einige Parameter vor, die u.a. Einfluss auf die Planungen der Pionieruntersützung im Heer haben. Die russische Armee z.B. sichert gewonnenes Terrain sehr schnell durch ein tiefes Stellungs- und Sperrsystem. Drohnen und Antipersonenminen spielen z.B. eine große Rolle für den Erfolg der ukrainischen Streitkräfte. Welche Pionierverbände und Pioniereinheiten gibt es in Zukunft auf Divisions- und Brigadeebene. Interessant die Aufstellung der Panzerpionierkompanie 45, die Pioniereinheit der Panzerbrigade 45, die bereits jetzt schon in Litauen stationiert ist. Die Pionierkomponente wird am Standort Holzminden aufgestellt und nach Aufstellung komplett nach Rukla in Litauen verlegt, dauerhaft stationiert!
Die künftige Gliederung der Pionierschule birgt keine großen Überraschungen oder Neuerungen, außer dass die zivile Ausbildung zum Maurer- und Stahlbetonbauergesellen für Unteroffiziere ohne Portepee ohne einen Bauhauptberuf wegfallen soll. Die Pionierschule behält weiterhin ihre Beratergruppen in Nigeria, Ghana und Senegal. Im vergangenen Jahr kam eine Beratergruppe in Moldau dazu, in einer interessanten geostrategischen Lage zwischen Rumänien und der Ukraine und mit einem nicht unbedeutenden Anteil russischer Bevölkerung. Hohe Priorität dort sind Ausstattung mit und Ausbildung an Drohnen. Und vollkommen neu der Begriff der „Kriegsschule“. Die Struktur und der Auftrag der Pionierschule würden sich in einem Kriegsfall verändern. Es käme u.a. der Auftrag von Grundausbildung und Spezialgrundausbildung hinzu. Ein Gutteil der Ausbildung würde an die jeweilige Lage angepasst und gestrafft.
Zur Infrastruktur: Insgesamt 4 Unterkunftsgebäude werden in den kommenden Jahren in der Pionierkaserne auf der Schanz neu gebaut, auf dem Pionierübungsplatz Land/Wasser an der Donau eine Reihe an Hallen und Freiflächen zusätzlich geschaffen.
Die Ausbildung wird, von der Taktikausbildung angefangen, an die aktuelle Lage angepasst. Das Gelände für die Taktikausbildung wurde neu ausgesucht, soll dem in einem potenziellen Einsatzraum im Baltikum vergleichbar sein und liegt daher in der Region um Schrobenhausen bis Friedberg bei Augsburg. In der Offizierausbildung steht das Führen eines Panzerpionierzuges im Schwerpunkt, der Feldwebel soll die Panzerpioniergruppe führen und wieder über die Fähigkeit verfügen Sperren zu öffnen und zu überwinden. Ukrainische Soldaten werden weiterhin an der Pionierschule ausgebildet. Ukrainische Ausbilder mit Kriegserfahrung sollen dazu fest integriert werden.
Von einer (endlich) neuen und modernen Pioniergeräteausstattung über Minenwerfer Skorpion 2, neue Panzerabwehrrichtmine, modernere und modifizierte Panzerabwehrverlegemine DM41, wird es auch einen Aufwuchs mit Schwimmbrückengerät, einer modernisierten Amphibie M3, geben.

Das war nur ein kurzer und unvollständiger Auszug aus dem kurzweiligen, sehr guten und sehr interessanten Vortrag von Brigadegeneral Friedl. Nach einer anschließenden Fragerunde erhielt er hochverdient großen Applaus und als offizielles Dankeschön von Peter Metzger im Namen der Pionierkameradschaft eine Flasche guten Volkacher Tropfens – zur Erinnerung an seine Volkacher Kompaniechefzeit vor rund ¼ Jahrhundert.
Bericht und Fotos: Udo Nagels







